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Neue Veröffentlichung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe"

Kategorie:Pressemitteilungen
Datum:18. Dez 1997

Das Farbempfinden älterer Menschen unterscheidet sich wesentlich von dem jüngerer. Das belegen auch wissenschaftliche Studien, aufgrund deren Erkenntnisse das KDA das bislang wohl einzige Farbgestaltungskonzept entwickelt hat, das ausdrücklich auf die Bed

Leben hat Farbe - auch im Alter. Psychologen wissen: Bestimmte Farben rufen bestimmte Gefühle hervor. Durch Farben lassen sich Stimmungen zum Ausdruck bringen, kanalisieren und verstärken. Beispielsweise laßt Rot, anders als Blau oder Grün, den Blutdruck ansteigen, das Herz schneller schlagen, den Atem rascher werden und die Zeit scheinbar schneller vergehen. Rote Gegenstände erscheinen gegenüber blauen und grünen größer, schwerer und näher.

Was aber viele nicht wissen: Das Farbempfinden älterer Menschen unterscheidet sich wesentlich von dem jüngerer. Das belegen auch wissenschaftliche Studien. Demnach favonsieren alte Menschen im Gegensatz zu jüngeren auffällig hellere Farben und warme Pastelltöne, also dezente Farben, die in Richtung freundliche Ruhe und Sanftheit tendieren.

Aufgrund dieser Erkenntnis hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) das bislang wohl einzige Farbgestaltungskonzept entwickelt, das ausdrücklich auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt ist. Bereits Mitte der 70er Jahre begann das KDA im Rahmen eines mehrjährigen aufwendigen Forschungsprojekts unter dem Titel "Anregung zur farblichen Gestaltung von Wohn- und Pflegeheimen für ältere Menschen" Farbgestaltungskriterien herauszuarbeiten. Speziell für diese KDA-Langzeitstudie führte ein Psychologenteam an der Universität Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Diether Höger wissenschaftliche Untersuchungsreihen mit 50 Testpersonen durch, die zwischen 65 und 85 Jahre alt waren. Zum Vergleich beurteilte auch eine Gruppe von 50 jüngeren Studenten verschiedene Farbtöne, die darüber hinaus noch abgestuft waren in jeweils unterschiedliche Helligkeits- und Farbstärke-Werte.

Das Ergebnis überraschte. Erstmals wurden Besonderheiten des Farberlebens älterer Men schen nachgewiesen. Prof. Höger, der inzwischen an der Universität Bielefeld lehrt, stellte fest: "Auch alte Menschen empfinden zunehmende Farbstärke als erregender, zunehmende Helligkeit als weniger mächtig, aber sie bevorzugen, anders als junge Menschen, deutlich hellere Farben sowie sanfte Brauntöne, also Farben, die in ihrer Gefühlswirkung freundliche Ruhe und Zartheit vermitteln."

Während von Farben im Blaubereich eine auffällig angenehme und beruhigende Wirkung ausging, erwiesen sich Violett- und Gelbgrüntöne als kritische, also zu meidende Farbbereiche. Diese wirkten nämlich auf ältere Menschen eher beunruhigend und unangenehm. Wichtiger allerdings als der Farbton als solcher - also etwa Rot, Gelb oder Grün - erwies sich die Farbsättigung, auch Farbstärke genannt. Entgegen der landläufigen Erwartung.

stellte sich etwa heraus, daß so verschiedene Farbtöne wie Rot oder Grün bei gleichem Sät tigungs- oder Stärkegrad ähnlich anregend auf das Wohlbefinden Älterer wirkten.

Farbvorschläge des KDA

Auf der Grundlage dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse erstellte ein Farbplanungsbüro im Auftrag des KDA - zunächst Anfang der 80er Jahre und jetzt erneut - eine Kollektion von 24 Farben zusammen, die nachweislich von älteren Menschen bevorzugt werden. Das neue Farbgebungskonzept, dessen Entwicklung vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung gefördert wurde, berücksichtigt insbesondere die Farbgebungstrends und - erfahrungen der vergangenen beiden Jahrzehnte. In dem gerade erschienenen Buch "Farbe ins Heim - Farbvorschläge des Kuratoriums Deutsche Altershilfe" wird das farbästhetische Konzept ausführlich vorgestellt und erläutert. Die gewählten Farbtöne sind: Sandgrau, Weinrot, Terakotta, Maisgelb, Basilikumgrün, Türkis, Rauchblau und Hyazinth. Sie werden in drei Stufen variiert - von gesättigt über mittelstark bis hin zu pastellig. Somit ergibt sich ein Ensemble von 24 Farben. Sie stehen sowohl zueinander in belebender Spannung, sind aber auch harmonisch aufeinander abstimmbar. Damit die ausgewählten Farben (ähnlich wie Noten in der Musik) von Fachleuten eindeutig zu bestimmen sind, wurden sie nach einem anerkannten Farbordnungssystem codiert. Die 24 codierten Präferenzfarben befinden sich - zum Herausnehmen aus dem Buch - auch auf einem praktisch handhabbaren Farbfächer. So erhalten ältere Menschen selbst sowie Designer, Raumplaner oder Architekten hilfreiche Anregungen für eine ausgewogene Farbkombination und Farbgestaltung von einzelnen Räumen, Möbeln, Wänden oder Decken.

Denn: Grau in Grau sollte das Leben auch im Alter nicht sein. Leben hat Farbe. Und: Die richtigen Farben schaffen mehr Wohlbefinden!