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Kassen sollen ihr Pflegesatz-Modell zurücknehmen

Kategorie:Pressemitteilungen
Datum:20. Mär 1997

Nürnberg (KDA), 20. März 1997 - Drastische Verschlechterungen bei der Betreuung und Pflege älterer Menschen in Heimen befürchtet das KDA, wenn die Pflegesätze und Entgelte für Unterkunft und Verpflegung dort künftig so festgelegt werden, wie es Pflegekass

Nürnberg (KDA), 20. März 1997 - Drastische Verschlechterungen bei der Betreuung und Pflege älterer Menschen in Heimen befürchtet das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), wenn die Pflegesätze und Entgelte für Unterkunft und Verpflegung dort künftig so festgelegt werden, wie es Pflegekassen und Sozialhilfeträger wollen. Das KDA sieht in dem Vergütungs-Modell, das gemeinsam von den Spitzenverbänden der Pflegekassen, der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe und der Bundesvereinigung der Kommunalen Spitzenverbände vorgelegt wurde, ein Sparmodell, das die Pflege-Qualität weitgehend vernachlässigt. Damit würde sich die Betreuung und Versorgung in Heimen auf eine "Minimalpflege reduzieren, die zu Lasten der Bewohner und der Beschäftigten von Alteneinrichtungen geht", erklärte Rolf Gennrich vom KDA am Donnerstag vor Pressevertretern in Nürnberg. Nach Modellrechnungen würde die Umsetzung in Pflegeheimen Personaleinsparungen um bis zu 30 Prozent zur Folge haben.

Nachdem die Pflegeversicherung in Heimen im Juli letzten Jahres in Kraft getreten war, gelten dort zunächst einmal Übergangsregelungen für die Heimentgelte. Sie müssen spätestens am 1. Januar 1998 durch neue Pflegesatzvereinbarungen ersetzt werden.

Die zu vereinbarenden Entgelte sollten sich nach den Vorstellungen von Pflegekassen und Sozialhilfeträgern an bundesweit pauschal ermittelten Durchschnittswerten orientieren. Diese - teilweise empirisch, teilweise analytisch ermittelten - Werte wurden nach Angaben des KDA-Altenhilfeexperten Rolf Gennrich auf methodisch höchst zweifelhafte Weise berechnet. Auf der Basis von teilweise längst veralteten und unzulänglichen Durchschnitts-Personalschlüsseln und zweifelhaften Werten für den durchschnittlichen Pflegezeitaufwand wurden Durchschnitts-Pflegekosten und schließlich "Standard-Pflegesätze" für die Heime ermittelt.

Danach soll etwa die Pflegevergütung in der höchsten Pflegeklasse III pro Tag 105,77 DM betragen. Zusammen mit den 28,49 DM , die für Unterkunft und Verpflegung angesetzt wurden, dürfte dann das Gesamtentgelt für die Versorgung eines Schwerpflegebedürftigen pro Tag gerade 134,26 DM betragen (ohne Anteile für Investitionskosten). Schon heute liegen die vergleichbaren Sätze aber vielfach bei 180 DM und mehr.

Drastischer Stellenabbau befürchtet

Sollten die "Arbeitshinweise für Pflegesatzverhandlungen" der Pflegekassen und Sozialhilfeträger umgesetzt werden, seien viele Heime zu drastischen Einsparungen gezwungen, erklärte Gennrich vor der Presse in Nürnberg. Das gelte trotz der mittlerweile von den Kassen vorgesehenen "Toleranzniveaus" und "Vergütungskorridore" für die Heim-Sätze.

Das KDA legte eine (von der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Köln ausgearbeitete) Berechnung vor, wonach in einem Durchschnittsheim in Nordrhein von rund 94 Stellen etwa 29 - also 31 Prozent - nicht mehr finanziert werden könnten, wenn die Heime mit Standard-Pflegesätzen auskommen müßten (siehe beiliegende Tabellen). Gerade die Einrichtungen, die bisher viel für die Qualität bei der Pflege älterer Menschen getan haben, müßten Personal entlassen und ihr Qualitätsniveau erheblich absenken, kritisierte das Kuratorium Deutsche Altershilfe. Das sei weder mit der Zielsetzung des Pflegeversicherungsgesetzes, "eine humane Pflege zu fördern und eine neue Kultur des Helfens und der mitmenschlichen Zuwendung entstehen zu lassen" vereinbar, noch mit den von den Kassen selbst formulierten Qualitätsanforderungen.

Bei einem Finanzpolster der Pflegekassen von rund acht Milliarden Mark sieht das KDA überhaupt keine Notwendigkeit zu Sparmaßnahmen. Statt Leistungsabbau fordert das Kuratorium Deutsche Altershilfe eine Verbesserung der Pflege-Qualität - insbesondere auch durch den Einsatz von mehr und besser qualifiziertem Personal in Heimen.

Das KDA ist gegen pauschale Einheitspflegesätze. Es setzt sich für differenzierte Heim-Vergütungen ein, die sich an der tatsächlichen Leistung und Qualität der dort erbrachten Pflege orientieren. Qualität - so das KDA - habe eben auch bei der Pflege älterer Menschen ihren Preis. Wer mehr Qualität anbiete, müsse dafür auch eine höhere Vergütung bekommen. Das Modell der Kassen aber würde qualitativ bessere Heime durch eine Einheitsvergütung bestrafen.

Auswirkungen des Standard-Pflegesatz-Modells (SPM)

am Beispiel eines Durchschnittsheimes in Nordrhein*

Veränderungen des Stellenplans durch einheitliche Pflegesätze nach dem SPM

bezogen auf die gesamte Einrichtung mit 176 Bewohnern

Abteilung

bisheriger Stellenplan

Stellenplan bei Einführung des SPM

Differenz

Pflegedienst

56,12

38,72

- 17,4

Hauswirtschaftlicher Bereich

11,25

7,76

- 3,49

Küche

8,75

6,03

- 2,72

Verwaltung

6,00

4,14

- 1,86

Hausdienst

6,00

4,14

- 1,86

Freizeitbereich

5,48

3,78

- 1,7

Gesamt

93,6

64,57

- 29,03

 

Veränderungen des Stellenplans durch einheitliche Pflegesätze nach dem SPM

bezogen auf einen Wohnbereich mit 39 Bewohnern

Abteilung

bisheriger Stellenplan

Stellenplan bei Einführung des SPM

Differenz

Pflegedienst

12,43

8,58

- 3,85

Hauswirtschaftlicher Bereich

2,49

1,71

- 0,78

Küche

1,93

1,33

- 0,6

Verwaltung

1,32

0,91

- 0,41

Hausdienst

1,32

0,91

- 0,41

Freizeitbereich

1,21

0,83

- 0,38

Gesamt

20,7

14,27

- 6,43

* Berechnungen: Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Köln