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Kategorie:Pressemitteilungen
Datum:05. Aug 2013

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe und die Friedrich-Ebert-Stiftung legen eine umfassende Pflegereform vor. Die Würde der pflegebedürftigen Menschen und eine neue Infrastruktur der Versorgung sind Dreh- und Angelpunkte.

Berlin, 5. August 2013. Deutschland braucht möglichst rasch eine umfassende Pflegereform, damit alle Pflegebedürftigen ihre Würde und möglichst lange ihre Selbstständigkeit behalten können. „Wir alle wissen, dass die Zahl der älteren Menschen mit körperlichen wie geistigen Einschränkungen zunimmt. Trotzdem fehlt bisher eine Reform, die die Situation der pflegebedürftigen Menschen und an der Pflege beteiligten Personen grundlegend verbessert“, sagt Dr. h. c. Jürgen Gohde, Vorsitzender des Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und Leiter der Arbeitsgruppe.

Pflege muss vor Ort neu aufgestellt werden, nicht nur von den Pflegekassen sondern auch von Kommunen und der Zivilgesellschaft. Versorgungsmängel in schwierigen Fällen und die Verschiebebahnhöfe zwischen den Sozialleistungsträgern müssen ein Ende haben. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe aus 25 Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen, die vom KDA und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) angeführt wurden. Sie legt heute in Berlin ein entsprechendes Positionspapier vor. Darin fordern die Experten, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff so rasch wie möglich einzuführen, die Teilhabemöglichkeiten älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zu verbessern, neue Wohnformen zu fördern und der Pflege eine Bedeutung zu geben, die nicht mehr ignoriert werden kann – in den Kommunen, in der Infrastruktur sowie in den Sozialgesetzen.

Die Arbeitsgruppe hat die Probleme im derzeitigen System identifiziert. So sei das heutige Sozialrecht noch nicht ausreichend auf die Pflege ausgerichtet. Leistungen seien nicht genügend aufeinander abgestimmt, es fehle mit wachsender Dramatik an Fachpflegekräften. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege seien häufig deshalb schlecht, weil sich die Pflegenden wenig Zeit für ihre Kunden nehmen könnten. Familien müssten besser unterstützt werden, wenn sie einen Pflegefall betreuten. Die Experten sahen faktisch keine Stellschraube im Pflegesystem, die nicht neu justiert werden müsse. Dazu  zähle auch eine deutlich bessere Finanzausstattung.

Das Gesamtkonzept von KDA und FES sieht ein neues Leitbild für die Pflegebedürftigkeit vor. Sein Kern ist die Achtung vor Selbstbestimmung und Würde alter Menschen. Sich um das seelische Wohl der Menschen zu kümmern soll ebenso wie die medizinische Versorgung Teil der Pflege werden. Zudem fordern die Experten, Prävention und Rehabilitation stärker zu nutzen und einen Rechtsanspruch auf Prävention zu verankern. Menschen müssten vorrangig zu Hause unterstützt werden, damit ein Umzug ins Pflegeheim hinausgezögert werden könne. Die Heime selbst sollten künftig Beratung und Hilfe auch für die ambulante Pflege anbieten, sich in die Wohnviertel öffnen und zu Zentren für ältere Menschen werden. Zudem müssten Kommunen stärker verpflichtet werden und sich selbst verpflichten. Sie sollten künftig stärker entscheiden, die verschiedenen Hilfsangebote personenbezogen verzahnen und die Infrastruktur ausbauen. Institutionelle Interessen müssen dahinter zurück stehen. Wichtig ist KDA und FES auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

„Wir müssen uns bald um einen nationalen Aktionsplan zur Verbesserung der Situation der pflegebedürftigen Menschen kümmern. Dann können wir dafür sorgen, dass Menschen trotz der demografischen Entwicklung in Würde altern können. Aber wir müssen bald handeln. Es ist fünf vor zwölf“, sagt Severin Schmidt, Leiter des Gesprächskreises Sozialpolitik bei der FES.

Dokumente als Download:

Pressekontakt:
Simone Helck, E-Mail: presse@kda.de; Telefon: 0221/931847-10